weitere Gedichte

… und weiter gehts…

Zwei Augenpaare begegnen sich einander

in Zweisamkeit. Am Körper ausgebreitete
Federnhäute. Schlicht unvorstellbares Gegenüber.
Immer aber wieder ist Musik: Noten, Töne,
Lüste, Wein, Flügel, Pfeile und…


eins
verwobenes seil
zitterst an masten im see
gedankengang
unruhig sind im wasser
die wellen berühren
bewegende wiederkehr
in der flutgespannter draht
surrst im wind am himmel
töne im kopf
schwingung im herz
tastest ohren
hörst bewegung nicht
fugengänge
krebsspuren
umgekehrte noten

loser strang
an bäumen
federn auf der haut
gleitender vogel
in den kronen
vorbeifliegt
schwebt

zwei
verwobenes seil
zitterst an masten im see
gedankengang
unruhig sind im wasser
die wellen berühren
bewegende wiederkehr
in der flutgespannter draht
surrst im wind am himmel
töne im kopf
schwingung im herz
tastest ohren
hörst bewegung nicht
fugengänge
krebsspuren
umgekehrte noten

loser strang
an bäumen
federn auf der haut
gleitender vogel
in den kronen
vorbeifliegt
schwebt

Schaust du in den Himmeln
die Wolken
schweben
vorbei
über dir
langsam
die welt dreht sich
unaufhörlich

Wüsten
sich aufziehn
an horizonten
in weitsicht
einrollst aufrollst
körnige leinwände
beschaust
staunst
klaust
von den himmeln
weggehst
wiederkommst
aufhängst

drei
verwobenes seil
zitterst an masten im see
gedanke
unruhig im wasser
der wellen berührt
bewegende wiederkehr
im blau
gespannter draht
surrst im wind am himmel
töne im kopf
schwingung im herz
tastest ohren
hörst bewegung nicht
fugengänge
krebsspuren
umgekehrte noten
loser strang
an blumen
federn auf der haut
gleitender vogel
in den kronen
schwebt


Genuss
im Zeitenlauf
Muscheln auf Sand
getränkt vom Gang der See
strebend
kräftig zugepackt mit leichtem Sein
schwebend in den Händen
greifend
sachte festhaltend

jetztwirklich
spät schon
doch früh?
dieses Kommen und Weggehen
„Kennst du mich?“
schon spät
früh doch
wirklich
„Weisst du es schon?“
bisher nichts
wirklich
weder versteckt noch offen
an diesem Ort
jetzt
die andere: „Ich kenne dich.“


Sapphische Odenstrophe

Kann der Sinn, der wähnend in duftend nächtgem
Traum, in lauer sommerlich voller Wärme,
In Gewinn an fühlender Ahnung nächstem –
Abermals Schönem –

Seine Blicke reichen; sie auch in weitrer
Nacht zu Tönen singenden Schwingen leihen,
Nun ins weite städterne Feld ausbreiten
Erlesnen Orten?

Kreist die Nacht als dämmrige Zeit um dich rum,
Traut sich scheues Tier aus dem inneren Reich nun
Ist es erst erwacht aus des Schlafes Tiefe;
Alles ist wachend.


L’ho cantato ora.
Tua faccia diventa
nel momento del parlato
rossa come il fiore della pianura
Sola tra le altre ginestre
cresce
da sotto il cuore
e raggiunge le tue guance
Che mostrano il sorriso
dagli angoli
della tua bocca
piena di forte timidezza
E tu parli
la melodia degl’innamorati.


Taube
fliegst her
schaust an
oranges licht in deinen augen
durch strassen geht
dein gesicht
in meinen gedanken
weiche wange
haare an wimpern
bist an mir
nah
kurze zeit
lange am fluss
weichst du nicht
gehst bleibst
erwartung im spiegel
bist du


höre, dagegen, trotzdem, höre jetzt von
hier her, jetzt, zu. eingehend hälst
die töne; falls nicht willfährig. gehe
hin, in der ebene im schnee, im sommer
auf dem gras aber, trennts die luft mit
scharfen federkanten, vorbei an den
bergenflanken. mit lufttränen in den
augen bist mit dir und ihm eins, gibst
dich frei, dort ihn auch, jetzt.


Zeit nehmen
Andere Möglichkeiten noch zu haben. Zwei,
drei Fäden, die oszillieren in ihren Farben.
Rot. Nur das Herz ist gebunden, gezerrt –
hin und her – frei, unfrei, beladen. Nochmals tiefer Schmerz, nochmals. Und die
Frage nach dem Funktionieren. Und die
Frage nach dem Können. Und die Frage nach der Zukunft.
Ich will Herr sein über die Zeit.
Sie beherrschen: Halten, anschauen, in ihr
spürbar drehen, sie wenden, kürzen, bie-
gen, aussen, innen, anschauen, reissen an ihr.
Machtvolles Geschöpf, machtlos hadernd,
fordernd. Jetzt da ich bin: Fordern, weitermachen.
In die reine Seite: Hände, Hände, gebt mir
Kraft zu tun. Greife schnell, ergreife. Fliehe,
flieh in die Kraft.
Beuge sie und herrsche!


gefasstgehaltengekrampft
imwinddasgriffbrett
festgeklammertesäule
sturmaufostnordosten

woistdiemeeresrichtung
verschwommenpeitschenderregen
amsäulenmastdeinauge
sirrensaitenanderholzsäule

schlagensaitenanandereimholzton
schreiimschlagendenpeitschensturm
duausschlagendesbussolenzeigerrotzeigtdierichtung
jetztgehdorthinganzruhig

insnichtsnimmstdascellomit
gefasstgehaltengekrampft
imwinddasgriffbrett
festgeklammertesäule

sturmaufostnordosten
woistdiemeeresrichtung
verschwommenpeitschenderregen
amsäulenmastdeinauge

sirrensaitenanderholzsäule
schlagensaitenanandereimholzton
schreiimschlagendenpeitschensturm
duausschlagendesbussolenzeigerrotzeigtdierichtung

jetztgehdorthinganzruhig
insnichtsnimmstdascellomit


spieleleichtigkeit
herüber
spieleleichtigkeit
b
dergeschlängelt
daher
es
möglichkeit
hinweg
wegediebahnend
scheinbar
as
ohne
aufwand
schritte
des
leichtaufmerksam
gleichmässig
erden
ces
vorwärts
ges
tänzelnd
es moll


Dazwischenräume

I
ich möchte dich berühren
ganz nah
dreimal an den händen
mit dir
an den flächen
fliessen lassen
den kurzen moment
aufnehmen tief im innern
und wiedergeben

II
ich weine um dich
innere tränen
äusseres wasser
in der seele
bist
in räumen bleiben
vergehn in diesen wellen
die kommen gehen
sehnsüchtig wehen
weil seelenräume
manchmal tränen geben
dann leichter nehmen

III
was dann bleibt ist leichte
welle auf
muschelboden
der wasserraum zwischen
ihm
ihr
im moment
der bewegung
im durcheinanderfliessen
der verschiedenen schichten
in luftloser verbindung
bei jeder welle
noch nicht doch schon
wieder da
in der
schaumkrone
im
muschelboden
dazwischen
wasser


epilog
Gedichte sind Spuren im Gedächtnis, die aufgeschrieben da sind.
Sie erwachen beim Lesen.
Die Spuren bleiben und verweben sich mit der Zeit – sichtbar unsichtbar.
Das Lesen bleibt.