Fülle des Lebens

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Komposition für das Vokalensemble Voce d’Argovia
„Fuelle des Lebens“


Leben
ganzes in der ganzen Zeiten Welt
Eine –
leben
Leere Fülle Leere
ist da –

In der Zeiten Wirren
suche ich das Ganze
hab die Eile
suche, suche
Leere, Fülle
ist da –

In der Zeiten Wirren suche ich das Ganze
hab die Eile
suche da, suche ich das Ganze
suche nach dem Leichten
hasche nach der Fülle
reise in der Leere

hasche nach der Fülle
finde manchmal Volles
in der Zeiten Wirren
suche ich nach Leere Leichtem
versprochen
alles

suche nach der Leere
Lauter lauter
reise nach den Zeiten
reise nach dem Vollen
suche nach der Fülle
versprochen

die Welt leben in der in der Welt sein
in der Welt sein
nun – die Zeit vergeht
sofort reisen – weg
nicht suchen – in der Welt sein
nun die Zeit vergeht so schnell
dann – weg ist sie

nicht suchen
lass es zu, dass es dich findet
so wie es ist reise, wohins dich zieht
lass die Zeit gewähren
Leere voll vom Sinn des Lebens
Welt sein – voll von Sinn der Leere

voll von Sinn des Lebenswerkes in dir
Fülle, Träume, Leben
lass es zu

voll vom Sinn des Leere
In der Zeiten Wirren
in der Welt der Menschen
in der Zeit leben

Werkbeschreibung

Markus Frey hatte mich angefragt, ob ich eine Komposition über das diesjährige Thema der Voce d’Argovia schreiben würde: Die Fülle des Lebens. Ich bedanke mich für diese Ehre und hoffe, ein Erlebnis für alle Musiker und Zuhörenden beigebracht zu haben.

Es muss ein umgekehrter Arbeitsprozess sein, denn ich will keinen bestehenden fremden oder eigenen Text vertonen. Es soll zuerst die Musik fertig sein und dann erst der Text hinzukommen, was ungewöhnlich scheint, aber die intuitive und improvisatorische Beschäftigung mit musikalischer und textlicher Melodie sowie dem Rhythmus verstärkt. Die erfüllte Leere und die ruhige Fülle muss erarbeitet werden und das Risiko, sie nicht im Stück zu erreichen, ist so präsent wie in der frei improvisierten Musik.

Spielt sich die Fülle ab zwischen gefühlter Leere, leeren Pausen und vielen bitonalen Klängen, Polyphonie oder zentriertem Leerraum, Innehalten in der Erinnerung und Tonvielfalt, Stimmenreichtum? Die Beschäftigung richtet sich von vornherein nach einer Sinnsuche, die das Leben im Glück betrifft.

Im fliessenden Singen der lang gehaltenen Töne, die eine Erinnerung im Zuhören bergen, verharren die Stimmen nicht im Wohlgefälligen, im Erwarteten, sondern ziehen in eine überraschende Richtung. Sie führen hin zu einer Beschäftigung mit einer zu füllenden Leere, die im Kontrast zu harmonischen Gewohnheiten entsteht, wo etwas zu fehlen scheint und unaufgelöst ist. Dieses Hingezogenwerden beruhigt und verliert sich im Versprochenen und Wiedergefundenen, das überraschend eintritt.

Die vielen Töne werden durch lange polyphon aufgebaute abgelöst. Die Melodie fügt sich im Ruhigen zusammen zur Einheit. In der Chromatik spiegelt sich unsere Fehlbarkeit nach Höherem zu streben und an Tiefe zu verlieren. Sie führt zur demütigen Erkenntnis und somit zur Berührung mit der erfüllten Leere.

In Verbindung zu diesen Tönen bezieht sich das Händeklatschen auf eine der ursprünglich rhythmischen Bewegungen des Menschen. Die rezitative Daf zeigt auf uns eigene und fremde Kulturen. Der Triangel symbolisiert die Funken der Eingebung.

Nach dem Weggeben alles Irdischen und in dieser bewegenden Erkenntnis kehrt alles ein. Nichts ist sinnlos.

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